Tom Stoppard

Der Engländer Tom Stoppard gilt bereits zu Lebzeiten als Klassiker der Bühnendichtung. Seine Theaterstücke sind raffinierte intellektuelle Gebilde, die sich häufig um philosophische und wissenschaftliche Themen oder bekannte historische Persönlichkeiten ranken. Kritiker Robert Hurwitt schrieb im Zusammenhang mit Stoppards Arkadien: „Wenn Ideen Körper wären und Konzepte fleischlich, wäre Tom Stoppard der erotischste Dramatiker der Gegenwart”.

Tom Stoppard kam am 3. Juli 1937 als Tomáš Straussler im tschechischen Zlín auf die Welt. Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges floh seine Familie nach Singapur und später nach Indien. Sein Vater kam in Singapur ums Leben. Die Mutter heiratete den britischen Major Kenneth Stoppard, der sie nach England brachte und ihre beiden Söhne adoptierte. 1954 brach Tom Stoppard die Schule ab und arbeitete als Journalist, Film- und Theaterkritiker. Ein Studium hat er nie absolviert. 1960 zog er nach London und begann, für die Bühne zu schreiben; der Durchbruch gelang ihm aber erst mit Rosencrantz and Guildenstern Are Dead (1966). Das intellektuelle Spiel, das zwei Nebenfiguren aus Shakespeares Hamlet in den Mittelpunkt der Handlung rückt, brachte dem Autor mehrere bedeutende Literaturpreise ein und gehört bis heute zu seinen meistgespielten Werken.

Tom Stoppard

Tom Stoppard

Stoppards bissiger Witz, sein Sinn fürs Experiment und für die Kombination verschiedenartiger Elemente prägen auch seine späteren Dramen, wie z.B. Jumpers (1972), Travesties (1974) oder The Coast of Utopia (2002). Mit Stücken wie Every Dood Boy Deserves Favour oder dem Václav Havel gewidmeten Professional Foul (beide 1977) verlieh Stoppard seinem sozial-politischen Engagement Ausdruck. Das geistreiche Durchspielen verschiedener Varianten von Liebesbeziehungen in The Real Thing (1982) bekräftigte Stoppards Ruf als Meister des theatralischen Paradoxes in der Nachfolge berühmter englischer Komödiendichter. Das 1993 entstandene Arkadien wurde zur Sensation: es erfüllte alle gewohnten Stoppardschen Motive und Kunstgriffe mit lebendigem emotionalem Inhalt, dessen Mangel die Kritiker an Stoppards früheren Stücken monierten.

Stoppard betätigte sich auch als Drehbuchautor und Regisseur. 1991 verfilmte er sein eigenes Theaterstück Rosencrantz and Guildenstern Are Dead; aus seiner Feder stammen u.a. die Drehbücher zu den Filmen Brazil (1985) und Shakespeare in Love (1999). Im Jahre 1966 veröffentlichte Stoppard seinen bisher einzigen Roman, Lord Malquist and Mr. Moon.

Dramatiker zu sein, ist ein gefährlicher Beruf. {…} Wenn ein Romanautor ein Buch schreibt, kontrolliert er den gesamten Prozess, übersendet das Manuskript dem Verleger, der es anschließend herausgibt. Und ein Leser, der das Buch am Dienstag aufschlägt, sieht dort dasselbe, was er auch am Donnerstag sehen wird. Theater ist hingegen kein Text. Es ist ein Ereignis. Ein unvorhersehbares.

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