{"id":2654,"date":"2019-11-27T00:21:51","date_gmt":"2019-11-26T23:21:51","guid":{"rendered":"http:\/\/dramateure.ch\/wordpress\/?page_id=2654"},"modified":"2021-07-17T22:15:19","modified_gmt":"2021-07-17T20:15:19","slug":"zum-stueck-und-zur-inszenierung","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/dramateure.ch\/wordpress\/produktionen\/bandscheibenvorfall\/zum-stueck-und-zur-inszenierung\/","title":{"rendered":"Zum St\u00fcck und zur Inszenierung (2020\/21)"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" class=\"alignright\" src=\"http:\/\/dramateure.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/bandscheibenvorfall-gp-13.jpg\" width=\"50%\"\/>Was macht der ganz normale B\u00fcrowahnsinn mit den Angestellten? F\u00fcnf Arbeitnehmer treffen sich vor der T\u00fcr zum Chef. Sie alle verbringen ihre Lebenszeit mehrheitlich im B\u00fcro: \u00abWann ich das letzte Mal abends weggegangen bin, einfach so&#8230; \u2013 Ja, bei mir auch, ich kann mich noch erinnern, dass Mittelscheitel Mode war\u00bb. Sie machen sich gegenseitig nieder, brechen in Panik aus, streuen Ger\u00fcchte. Sie bilden immer wieder neue B\u00fcndnisse und Koalitionen, um den Anderen auf der Karriereleiter zuvorzukommen oder um es dem Chef \u2013 in einem Anflug von Kollektivgeist \u2013 mal so richtig zu zeigen. Doch wenn die Angestellten aus seinem B\u00fcro zur\u00fcckkehren \u2013 mit einem Messer im R\u00fccken, einen Kopf k\u00fcrzer gemacht oder das Gesicht verloren, was durchaus w\u00f6rtlich zu verstehen ist, \u2013 hat der Chef sie mal wieder auf ihren Platz verwiesen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"http:\/\/dramateure.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/bandscheibenvorfall-gp-3.jpg\" width=\"40%\"\/>Das St\u00fcck konzentriert sich auf das Verhalten der Figuren im B\u00fcroalltag. Zun\u00e4chst erscheinen sie stereotyp: der selbstsichere Karrierehengst, der M\u00f6chtegern-Casanova, die knallharte Emanze, die soziale Kollegin, der Aussenseiter\u2026 Doch im zweiten Teil des St\u00fcckes kippt die Handlung unvermittelt vom Grotesken ins Dramatische, und die f\u00fcnf Charaktere fallen aus ihrer B\u00fcrorolle, offenbaren ihre Sehns\u00fcchte und W\u00fcnsche und deren Unerf\u00fcllbarkeit: \u00abIch will der Scherbenhaufen sein, der ich bin, ich will u\u0308berflu\u0308ssig sein, ich will das sein du\u0308rfen, was ich bin: kaputt\u00bb. Und wenn sie im Epilog gemeinsam der T\u00fcr zum Chef den R\u00fccken kehren und von der Toilette aus ein Lied singen, bedarf es keiner Regieanweisung, um zu wissen: es kann nur auf der Metaebene passieren.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"alignright\" src=\"http:\/\/dramateure.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/bandscheibenvorfall-gp-16.jpg\" width=\"50%\"\/>Lausunds St\u00fcck spiegelt nicht nur unsere Gesellschaft mit dem stetigen Konkurrenzkampf und dem Zwang zum positiven Denken wider. Es pr\u00e4sentiert eine Gruppe Menschen, die Angst hat vor dem Ungewissen. Die Sicherheit eines Jobs hat f\u00fcr die Charaktere h\u00f6chste Priorit\u00e4t. Die Inszenierung der dramateure fokussiert sich nicht nur auf die \u00fcberzeichneten Szenen, mit denen sich jeder Zuschauer an die eine oder andere Situation aus dem eigenen Arbeitsalltag erinnert f\u00fchlt. Sie geht auch der Frage nach, warum eben diese Sicherheit wichtiger ist, als gl\u00fccklich zu sein und sich zu verwirklichen. Die Figuren glauben zu wissen, wie sich sich gegenseitig ausspielen und den besten Eindruck auf den Chef machen k\u00f6nnen. Jedoch lernen sie im Verlauf der Inszenierung immer mehr dar\u00fcber, was es heisst, ehrlich zu sich selbst und zu den Anderen zu sein. In der B\u00fchnensprache steht f\u00fcr dieses Verlangen nach Aufrichtigkeit der aufrechte Gang: \u00abIch will wieder eine Wirbels\u00e4ule, und ich will was sein, was wieder grade geht\u00bb.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"http:\/\/dramateure.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/MW_20141009_7494_sw.jpg\" width=\"30%\"\/>Regisseurin Evelina Stampa setzt den Akzent auf die Dramaturgie der einzelnen Szenen, um den roten Faden des gesamten St\u00fccks zu verdeutlichen. Dabei ist die emotionale Lage der Figuren ausschlaggebend. F\u00fcr Evelina Stampa ist es besonders wichtig, dass die Schauspieler ihre eigenen, privaten Erfahrungen in die Produktion mit einfliessen lassen und den Figuren auf diese Weise eine realistische Dimension verleihen. Zu diesem Zweck hat sie mit den Schauspielern intensive Gespr\u00e4che \u00fcber die Beweggr\u00fcnde und die \u00c4ngste der Figuren gef\u00fchrt. So kann den \u00fcberspitzten und grotesken Szenen eine klare psychologische Motivation zugrunde gelegt werden. Da Stampa urspr\u00fcnglich aus dem Tanztheaterbereich kommt, bringt sie die rhythmische Dimension des aus Episoden zusammengef\u00fcgten St\u00fccks in passenden Choreographien zum Ausdruck.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was macht der ganz normale B\u00fcrowahnsinn mit den Angestellten? F\u00fcnf Arbeitnehmer treffen sich vor der T\u00fcr zum Chef. 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