Zum Stück und zur Inszenierung

John Boynton Priestley: Gefährliche Kurve

Man trifft sich im Salon nach dem Abendessen. Sieben Personen – miteinander mehr oder minder innig verbunden. Und da ist Martins Zigarettenkästchen, das alles ins Rollen bringt. Martin, der verstorbene Bruder, der Liebhaber, der Geschäftspartner. Martin, um den sich alles dreht in dem Stück…

Was harmlos beginnt, endet überhaupt nicht so, wie man es am Anfang noch erwartet hätte: nett und unverbindlich. Alle Beteiligten offenbaren sich im Lauf des Stücks, lassen hinter die Fassade blicken. Die Beziehungen untereinander sind nicht so, wie sie nach aussen hin scheinen. Es ist nicht alles nett und unverbindlich, auch wenn sich manch einer vermeintlich bequem darin eingerichtet hat. Liebesbeziehungen werden aufgedeckt, Abhängigkeiten offengelegt. Wir stellen uns die Fragen: Was ist Wahrheit? Gibt es DIE Wahrheit? Und wieviel Wahrheit ist gesund?

Die Inszenierung der dramateure zürich will diesen Fragen nachspüren. Die Figuren handeln nebeneinander, miteinander, zuweilen taktieren sie, aber über allem steht das Bedürfnis, sich dem Gegenüber mitzuteilen, endlich zu erzählen, wie es in einem drin aussieht. Es ist nicht das Überspitzte, das Spektakuläre, das dieses Kriminalstück so spannend macht, es ist das alltägliche menschliche Verlangen nach Verständnis und Anerkennung. Die Figuren meinen, ihre Sicht der Dinge müsse auf die eine oder andere Art auf den Tisch, denn nichts zu sagen oder nichts zu tun, ist letztendlich ein Schuldeingeständnis. Und wer weiss, vielleicht halten uns die Figuren aus „Gefährliche Kurve“ auch gelegentlich den Spiegel vor?

Arbeitsweise der Regie

Die Arbeitsweise für das Stück „Gefährliche Kurve“ zeichnet sich einerseits durch den dramaturgischen Bogen aus, der immer spürbar bleibt. Andererseits werden die einzelnen szenischen Bilder, die schauspielerischen Aktionen und emotionalen Grundstimmungen immer auch aus der Intention der Spielerinnen und Spielern heraus entwickelt. Gespräche mit den Akteuren über die Figuren, deren Motivation zu handeln, sind Voraussetzung für einen partizipativen Regiestil. Oft ist in der ersten Spielanlage einer Szene etwas fast Magisches dabei, viel „Wahrhaftiges und „Richtiges“, das noch nicht der Zensur von Reflektion, Filtrierung und Interpretation zum Opfer gefallen ist. Diese Spielimpulse will die Regie einfangen, wiederholbar machen, vertiefen und entwickeln. In der weiteren Arbeit wird auch der Frage nachgespürt: was hat diese Figur, die ich da auf der Bühne verkörpere, mit mir zu tun? Gerade Amateurspielerinnen und -spieler bringen viele spannende Aspekte aus der eigenen Lebensrealität, aus dem Alltag mit ein, die das Spiel weiter bereichern.

Die Arbeit mit den dramateuren zürich zeichnet sich durch die Besonderheit aus, dass das Ensemble aus langjährigen Theaterspielerinnen und –spielern besteht, die einerseits über eine grosse Spielerfahrung verfügen, einzelne Spieler auf semiprofessionellem Niveau, andererseits durch ihren beruflichen Background als Theaterwissenschaftlerin, Philosophiestudent oder Autor über ein grosses Wissen verfügen, wie man mit Texten umgehen kann. Man spürt die Lust am Spiel, aber auch am Verhandeln der grossen Themen im Leben. Die Szenen werden nicht nur aus der Intention heraus gespielt sondern auch intellektuell beleuchtet.

Ort und Zeit

Salon im Haus der Caplans in Chantbury Close.
Nach dem Essen.

Wissenswertes

Originaltitel: Dangerous corner.
Uraufführung: Mai 1932 im Lyric Theatre, London.
Verfilmung (u.a.): 1934 als Dangerous corner, Regie Phil Rosen, von RKO Pictures (USA) und 1972 als Gefährliche Wahrheit (Опасный поворот), Regie Wladimir Bassow, von Mosfilm (UdSSR).
Rechte: Drei Masken Verlag.
Übersetzung/Bearbeitung: Hans Feist, als Wenn…? (Gefährliche Kurve).
Übersetzung/Textfassung der dramateure: Helmut Heinrich, Brigitte Amrein, Anastasia Risch.

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