Aus die dramateure zürich
Wechseln zu: Navigation, Suche
Henrik Ibsen
Peer Gynt
Aufführungsort
Karten/Reservierungen
Henrik Ibsen
Hintergründe
Szenenbilder
Die Schauspieler und ihre Rollen
Medieninformationen
Sponsoren

Herzlich bedanken wir uns bei:

GEMEINNÜTZIGE GESELLSCHAFT DES KANTONS ZÜRICH

Migros kulturprozent farbig.PNG
LogoTelejob.jpg
Inktank Tattoo Zürich
Modularis AG
Ristorante Villa Ducale
die dramateure
Newsletter
In den Medien
Frühere Produktionen
Befreundete Gruppen
Kontakt
Intern




















Henrik Ibsen als junger Mann, ca. 1864

Henrik Ibsen (1828 – 1906)

In den Augen seiner Zeitgenossen war Henrik Ibsen nicht nur ein berühmter Theaterautor. Er sprach in seinen Bühnenwerken und Schriften als Erster offen von überkommenen gesellschaftlichen Normen und von der Relativität aller Ideologien; er rief die Menschen dazu auf, sie selbst zu sein und ihren eigenen Weg zu gehen. Kein Wunder also, dass Ibsen um die Jahrhundertwende viel einflussreicher und bekannter war als Nietzsche. Mit seinen Dramen begründete er wiederum eine völlig neue Art von Theater, die in unserer Zeit selbstverständlich erscheint, damals aber eine bahnbrechende Reform bedeutete. Und bei alledem blieb Ibsen sein Leben lang ein Dichter: Er veröffentlichte einen Lyrikband, und auch seine Dramen haben eine ausgeprägte poetische Ader.

Henrik Ibsen kam in der Familie eines reichen Kaufmanns auf die Welt. Sein Vater ging bankrott, als er selbst noch ein Kind war. Der krasse soziale Abstieg der Familie war für Ibsen eine schlimme Erfahrung, die er nie verwunden hat. Er arbeitete gezwungenermassen als Apothekengehilfe, schrieb Gedichte und sein erstes Theaterstück. Das Jahr 1852 brachte eine Wendung: Ibsen übersiedelte nach Bergen und später nach Kristiania (Oslo), wo er die jeweiligen nationalen Theater leitete und seine eigenen Dramen inszenierte. Diese frühen Werke standen ganz im Zeichen der norwegischen Nationalromantik. Für das Land, das sich – nach mehreren Jahrhunderten unter dänischer Herrschaft – seit 1814 in einer Zwangsunion mit Schweden befand, bedeutete die Hinwendung zu der eigenen Geschichte und Folklore den Versuch, eine eigenständige nationale Kultur zu begründen, und damit eine Form des Unabhängigkeitskampfes.

Um 1860 herum zeigt sich Ibsen zusehends enttäuscht über die Nationalromantik und die damit verbundenen politischen Strömungen, die in seinen Augen Selbstgefälligkeit und Isolation vom Rest der Welt propagieren. Er wendet sich öffentlich an die norwegischen und schwedischen Politiker mit dem Aufruf, das Nachbarland Dänemark im Krieg gegen Österreich und Preussen zu unterstützen. Die Niederlage der Dänen vertieft Ibsens Erbitterung über die Norweger. Die Hassliebe zu seinem Heimatland wird ihn von nun an stets begleiten und auch in seinen Werken einen Niederschlag finden.

Mit Hilfe des Freundes und Dichterkollegen Björnstjerne Björnson (Nobelpreis für Literatur 1903) und durch ein Studienstipendium gelingt es Ibsen, die nötige Summe für den Umzug ins Ausland aufzubringen. Von 1864 bis 1891 lebt Ibsen mit seiner Familie abwechselnd in Italien und in Deutschland. In den ersten Jahren dieses freiwilligen Exils entstehen seine dramatischen Gedichte „Brand“ und „Peer Gynt“, die zunächst in Norwegen breiten Anklang finden und Ibsens Namen bald auch in Europa berühmt machen – trotz seiner Befürchtungen, dass ein so ‚norwegisches’ (oder, genauer gesagt, antinorwegisches) Stück wie „Peer Gynt“ im Ausland nicht verstanden werden könne.

Henrik Ibsen 1879, gemalt von Henrik Olrik

Nach 1873 schreibt Ibsen keine Dramen in Versen mehr. Das Thema des Konflikts zwischen Persönlichkeit und Gesellschaft bleibt für ihn zwar nach wie vor zentral. Aber jetzt konzentriert er sich auf die Darstellung der Gegenwart und wirft aktuelle sozial-politische Fragen in bis dahin ungekannter Intensität auf. Dramen wie „Die Stützen der Gesellschaft“ (1877), „Ein Puppenheim“ (1879), „Ein Volksfeind“ (1882) und „Die Wildente“ (1884) decken Missstände und tragische Geheimnisse auf, die hinter scheinbar harmonischen sozialen und familiären Fassaden lauern. Dank ihrer analytischen Struktur, der zeitlosen Problematik und der minutiösen Charakterdarstellung zählen diese Dramen bis heute zu den meistgespielten der Welt.

Viele von Ibsens Werken sind von besonderer Sympathie und Bewunderung für die Frauen gezeichnet: Sie agieren darin oft willensstärker, entschlossener und nobler als die männlichen Charaktere. Im Kontext des 19. Jahrhunderts war dies völlig aussergewöhnlich und brachte Ibsen den Ruf eines Verfechters der Frauenemanzipation ein. Auf Solvejg aus „Peer Gynt“ folgen mit der Zeit weniger romantisch überhöhte, aber ebenso bemerkenswerte Heldinnen: Nora („Ein Puppenheim“), Hedwig („Die Wildente“) oder Hilde („Baumeister Solness“).

1891 kehrt Ibsen in seine Heimat zurück, nachdem er im Ausland alles erreicht hat, wonach er strebte: Ruhm, Anerkennung, Wohlstand. Seine Dramen werden auf der ganzen Welt inszeniert; die Anzahl der Rezensionen und Untersuchungen, die seinem Werk gewidmet sind, ist mit derjenigen von Shakespeare vergleichbar. Sein 70ster Geburtstag wird in Norwegen und in vielen anderen Ländern öffentlich gefeiert.

In Ibsens späten Dramen – "Hedda Gabler" (1890), "Baumeister Solness" (1892), "Rosmersholm" (1896), "Wenn wir Toten erwachen" (1899) u.a. – erstarkt die Tendenz zu Metaphern und Symbolen, die seinem Werk von Anfang an eigen war. Der – in der Regel tragisch endende – Konflikt zwischen Persönlichkeit und Gesellschaft, innerer Bestrebung und öffentlicher Moral, privater Gegenwart und Vergangenheit bleibt aber auch in diesen Werken bestehen: Er durchzieht, wie ein roter Faden, Ibsens gesamtes Œuvre, auch wenn er mal sozial-politische, mal psychologische oder eher symbolische Züge trägt.

Nach „Wenn wir Toten erwachen“ schrieb Ibsen keine Theaterstücke mehr. Er starb 1906 in Kristiania.

Anastasia Risch