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Tschechow 1889
Anton Tschechow (1860-1904) ist ein berühmter russischer Schriftsteller und der weltweit meistgespielte Dramatiker nach Shakespeare. Tschechow war der Überzeugung, auf der Bühne müsse alles „genauso kompliziert und gleichzeitig genauso einfach sein wie im wirklichen Leben. Die Menschen essen zu Mittag, sie essen bloß zu Mittag, in dieser Zeitspanne aber wird ihr Glück geschmiedet oder ihr Leben zerstört“. Durch diesen Fokus auf das Gewöhnliche, Alltägliche, Hintergründige prägte Tschechow die Bühnenreform, die in der Dramendichtung in den 1880er Jahren begann und in der Theaterpraxis um die Jahrhundertwende umgesetzt wurde, entscheidend mit. Seine Dramen – nebst Onkel Wanja vor allem Der Kirschgarten, Die Möwe und Drei Schwestern – hatten in der feinfühligen Interpretation des Moskauer Künstlertheaters unter der Leitung von Konstantin Stanislawski den Namen ihres Autors weltberühmt gemacht. Auf ihrer Grundlage bildete sich das moderne Prinzip des regiebestimmten, realitätsnahen Theaters heraus, das uns heute selbstverständlich erscheint.

Anton Tschechow wurde 1860 in der südrussischen Hafenstadt Taganrog in der Familie eines Kleinwarenhändlers geboren, der von ehemaligen Leibeigenen stammte. Die Tschechow-Geschwister wuchsen in armen und beengten Verhältnissen auf und mussten schon früh im Laden ihres Vaters aushelfen. Dennoch legten Tschechows Eltern Wert darauf, den Kindern eine solide Allgemeinbildung zu ermöglichen. Schon als Gymnasiast zeigte Anton Tschechow, der sonst eher als zurückhaltend galt, einen ausgeprägten, satirisch gefärbten Humor und Interesse an Theater und Literatur. „Die Kunst, lebendige Worte in elegante Form zu bringen“, verdankte Tschechow nach eigenen Worten dem Pfarrer, der den Religionsunterricht gab und die Schüler nebenbei in literarische und sozialpolitische Zusammenhänge einführte.

1876 zog die Familie überhastet nach Moskau, um den Gläubigern des Vaters zu entgehen. Anton Tschechow erhielt ein staatliches Stipendium, mit dem er ein Medizinstudium anfing – und von da an zeitlebens zum Ernährer der Familie wurde. Um Geld zu verdienen, schrieb er Artikel und Kurzgeschichten. Bis zu seiner Zulassung als Arzt im September 1884 gelang es ihm, unter verschiedenen Pseudonymen über 200 Texte in verschiedenen Zeitschriften zu veröffentlichen. Einige in jener Zeit geschriebene Erzählungen gehören heute noch zu seinen bekanntesten Werken. Seine Zukunft sah er zum damaligen Zeitpunkt immer noch als Arzt: Die Literatur sei seine Geliebte, die Medizin rechtmäßige Ehefrau. Es sollte allerdings anders kommen. Die Arbeit mit den Patienten verrichtete Tschechow Zeit seines Lebens faktisch ehrenamtlich; seine Haupteinnahmequelle blieb die literarische Tätigkeit. Dafür lieferte die Arbeit als Arzt ihm oftmals den Stoff für Erzählungen und Dramen.

1889 brach Tschechow zu einer Reise auf die Insel Sachalin auf, wohin im zaristischen Russland Kriminelle, Unangepasste und Oppositionelle verbannt wurden. Während drei Jahren nach der Reise wertete er die Ergebnisse aus, um schließlich eine große sozialwissenschaftliche Reportage zu schreiben. Das Buch tat seine Wirkung: Die Regierung entsandte eine Untersuchungskommission, Tschechow sammelte Geld, stattete eine Bibliothek und Schulen auf Sachalin mit Büchern aus und finanzierte auch für seine Heimatstadt Taganrog eine Bibliothek. „Es wäre schön“, schrieb er in sein Notizbuch, „wenn jeder von uns eine Schule, einen Brunnen oder etwas Ähnliches hinterließe, damit sein Leben nicht spurlos vorübergeht und sich in der Ewigkeit verliert“.

Schon in der Schule schrieb Tschechow Vaudeville-Texte für Amateuraufführungen; bald begann er mit Theaterstücken, die er fast durchweg als Komödien bezeichnete. Seine grossen Schauspiele leben nicht von Hauptrollen und bedeutenden Taten, sondern von einem subtilen Geflecht fein nuancierter Gemütslagen, Motivationen und Reaktionen, das einzelne Figuren zu einem Ensemble verbindet. Mit seiner wertungsfreien, unvoreingenommenen Art, die Tragikomödie des täglichen Lebens darzustellen, war Tschechow der Bühnenpraxis seiner Zeit voraus: In seinen Stücken entfaltet sich das Seelenleben der Figuren gleichsam unter der Oberfläche der oft belanglos wirkenden Dialoge, und die Charaktere sind nahezu beliebig interpretierbar. Solche Werke konnten nur durch das kürzlich eröffnete Moskauer Künstlertheater adäquat auf die Bühne gebracht werden, dessen Gründer, K. Stanislawski und W. Nemirowitsch-Dantschenko, völlig neuartige Schauspiel- und Regieprinzipien ins Leben gerufen hatten. Die Möwe, uraufgeführt 1898, wurde zur Visitenkarte des Künstlertheaters – und zu Tschechows Durchbruch als Dramatiker. Tschechow besuchte die Proben täglich, aber gemäss den Erinnerungen von Stanislawski „mischte er sich nie in unsere Arbeit ein. Er wollte nur die Atmosphäre des künstlerischen Schaffens geniessen und mit fröhlichen Schauspielern plaudern.“ Die Premiere von Onkel Wanja im Oktober 1899 konnte Tschechow nicht miterleben, da er sich aufgrund seiner langjährigen Schwindsuchterkrankung fast durchgehend am Schwarzen Meer aufhalten musste. Ein halbes Jahr später unternahm das Künstlertheater eine Serie von Gastspielen auf der Krim, damit der Autor die Inszenierungen seiner Stücke sehen konnte. Bei der Aufführung von Onkel Wanja „wurde der erste Akt kalt empfangen, aber auf das Ende hin wuchs sich der Erfolg zu einem Triumph aus. Das Publikum verlangte nach dem Autor. Er wehrte sich verzweifelt, kam aber schliesslich doch auf die Bühne“, schrieb Stanislawski, der selbst Astrow spielte. 1901 heiratete Tschechow Olga Knipper, die Darstellerin der Jelena; sie blieb jedoch in Moskau, um weiterhin am Künstlertheater spielen zu können. 1904 starb Tschechow in Badenweiler (Deutschland) an Tuberkulose.

„Tschechows Blick ist milde, aber diagnostisch, er lässt dem Publikum und dem Regisseur und den Schauspielern die Entscheidung darüber, ob das ewige »Macht nichts« des Onkel Wanja, die 113 »Ist doch egal« in den Drei Schwestern, das Gejammer über verpasstes Leben oder abgehackte Kirschbäume traurig ist oder melancholisch oder verachtenswert oder Ausdruck der ewigen conditio humana. Ob wir am Ende sind. Oder vor dem Sturm.“ (Zeit Online)

Anastasia Risch